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Ihre Gastgeberin: Bernadette Engelhardt

In den 60er Jahren im Münsterland geboren. 1964- der geburtenstärksten Jahrgang aller Zeiten. Wir waren unendlich viele. Wir lebten Gemeinschaft. Individualität war nur durch Andersartigkeit möglich. Zugleich waren und sind wir Teil der Generation der Babyboomer. Wir erschufen und bestimmten im weiteren Verlauf und bis zum heutigen Tag die Märkte und Trends. Wir zerstörten wohl auch viele kostbare Dinge, ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein. 

Aufgewachsen zwischen 4 Brüdern. Mit Musik der Beatles, Elvis Presley, ABBA und den Rolling Stones und 3 Fernseh-Programmen zur Auswahl. 

„Heimat“ bedeutete für mich von Kind an: ständige Umzüge, wechselhafte Freundschaften, interessante neu Orte und Menschen. Permanente Neuanfänge, Wandel und Wechsel. Das weitläufige Zuhause mit großen Gärten an meist abseits gelegenen Orten, lange Schulwege, viel Natur, Tiere und Freiheit. Wie Bäume ohne Wurzeln. Das einzig Beständig war der stetige Wandel.

Bücher:
Seit meinem 5. Lebensjahr meine ständigen Begleiter und beste Freunde. Im Elternhaus gab es eine riesengroße Bücherwand und bis heute gilt Büchern meine große Leidenschaft. Ich las, was immer mir in die Finger kam und für mich war immer absolut klar, dass ich irgendwann einmal inmitten meiner eigenen Bücherwelt leben würde. Meine Großmutter, eine pensionierte Lehrerin mit eigener Bibliothek brachte mir im Lesen später noch die Grundlagen von Sütterlin und anderer altdeutscher Schriften bei. Uralte Bücher faszinierten und inspirierten mich. Deutsch wurde mein absolutes Lieblingsfach in der Schule. Ich wollte Schriftstellerin werden. Eher noch, freie Journalistin und Schriftstellerin. Also ungebunden und frei in allen Ecken und Ländern der Welt unterwegs. Entdecken, darüber nachdenken und dann schreiben. Ein Traum, mein großer Traum.

Antiquitäten und Raritäten
Meine Eltern waren leidenschaftliche Sammler und Kenner von Antiquitäten. Und so fuhren wir an den Wochenenden statt in den Zoo oder in die Eisdiele meist in die tiefsten Winkel der Eifel zu Antiquitätenhändlern. Gott, was habe ich diese Touren gehasst, denn meist wurde mir während der Autofahrt durch endlose Serpentinen kotzübel schlecht. Belohnt wurde derlei Touren nur dadurch, dass ich oftmals in irgendeiner Ecke der alten Bauerhöfe, Scheunen und Antiquitätenläden irgendeinen „kostbaren“ Gegenstand entdeckte und mitnehmen durfte.

Von meiner Mutter habe ich ganz klar die Liebe zu Antiquitäten, Gartengestaltung, sowie ihren exquisiten Geschmack und ihr umwerfendes Gespür für Stil und Wertigkeit geerbt. Sowie ihren großartigen Familiensinn und uneingeschränktes Dasein für ihre Kinder. Nebenher war sie eine leidenschaftliche Köchin speziell der französischen Küche.

Freiheit, Unabhängigkeit und eine gewisse Ruhelosigkeit

Diese Charaktereigenschaften habe ich ganz klar von meinem Vater geerbt.
Mein Vater war ein Freigeist und Abenteurer. Mit 16 ging er weg von Zuhause, um seinen Traum zu leben. Er wollte Fliegen. Und er machte seinen Traum wahr. Er flog mit Hubschraubern und alten, zweimotorigen Flugzeugen durch die Welt. Eine Welt, die als Pilot damals an vielen Orten und Zeiten nicht ungefährlich war, aber voller Abenteuer. Jahre später wurde er sesshaft, seiner Frau und der Familie zuliebe. Er wurde letztendlich sogar Geschäftsführer einer großen Kaufhauskette, später selbständiger Unternehmer und Geschäftsmann. Der Fliegerei blieb er sein ganzes Leben lang verbunden.

 

Ich wurde keine Schriftstellerin. Ich wurde auch keine Journalistin. Ich reiste auch niemals durch die Welt. Und ich blieb mein Leben lang weit davon entfernt, irgendwo wirklich „sesshaft“ zu werden.

 

Meine Liebe und Leidenschaft als „Gastgeberin“

Mit 15 Jahren durfte ich ab und an in einer urigen und kleinen Wein-Antiquitäten-Gastronomie in Neuwied bedienen. Eher war es eine Art Wochenend-Wohnzimmer des Besitzers samt seiner Sammelleidenschaft für alte Wehrmachts-Uniformen, Helme, Orden und sonstigen Sammelsurium an alten Uhren und Möbeln. Vollgepackt in jedem freien Winkel eines ausgebauten Nebengebäudes und nur für besondere Gäste. Ich fand es umwerfend, magisch, komisch, irgendwie einfach total anders als mein Zuhause, das allerdings ebenfalls eher einem Museum glich als denn einem Familien-Lebensmittelpunkt. Und ich wusste, genau solch einen Ort voller Erinnerungen und alten Möbeln und mit solch ausgesucht netten Gästen wollte ich auch einmal haben. 

Ich beschloss, Hotelfachfrau zu werden. Bereits ein Jahr später und wie eine Generation vorher mein Vater bereits, verließ auch ich bereits mit 16 Jahren mein Elternhaus. Ich suchte mir eine Lehrstelle als Hotelfachfrau und zog in ein kleines Zimmerchen unter Dach in ein Hotel im Kreis Ahrweiler. 

25 Jahre leben, wohnen und arbeiten in 6 verschiedenen Ortschaften im Brohltal. Man kann durchaus sagen, ich kenne das Brohltal und die Umgebung von Koblenz, Mayen bis nach Bonn.

Es folgten 10 Jahre Stadtleben in Bonn-Bad Godesberg. Der Sehnsucht folgend nach deutlich mehr an buntem Leben, Menschen, Kultur und neuen, beruflichen Herausforderungen. 2017 zog es mich durch den Kauf unseres Hauses schließlich wieder zurück aufs Land. Gekommen, um zu bleiben? Dazu fällt mir nur mein Lieblingszitat ein:

„Das einzig Beständige ist der Wandel.“

 

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