Das Jägerheim

2015/2016: „Geben wir dem Haus und uns eine Chance?“

Wir packten es an. Und was uns noch nicht klar war: Wir würden scheitern. Und das ist eine gute Sache. Der Reihe nach:

Ein Ort der Gastlichkeit

Ursprünglich wurde das Haus 1903/1904 als Bahnstastion erbaut. Wir entdeckten bei der Sanierung hinter altem Putz den original Ticketschalter und sanierten/konstruierten ihn detailgenau. In alten Chroniken konnte darüber bisher aber leider nichts in Erfahrung gebracht werden. 

„Bahnhof Bad Tönisstein“- der  wohl kleinste Bahnhof von Rheinland-Pfalz liegt unmittelbar gegenüber vom Haus. Hier hält eine der ältesten Schmalspureisenbahnen Deutschlands, der Vulkan-Express.

Bekannt ist lediglich, dass das Haus einige Jahre später und dann über fast genau 100 Jahre lang ein weit über das Tal hinaus gehender und sehr bekannter Ort der Gastlichkeit war. 

 Zudem ist es landschaftlich so gelegen, dass Wanderer und Naturliebhaber von dort zu Fuss und stundenlang die wunderbare Umgebung erkunden können. 

Leider wurde das Haus, wie damals üblich, überwiegend als Nutzobjekt betrachtet. Investitionen und Maßnahmen für den dauerhaften Erhalt wurden auf das Notwendigste begrenzt. So entstand im Laufe der Jahrzehnte ein erheblicher Renovierungs- und Sanierungsstau. 

Nach dem Ableben des ehemaligen Betreibers fanden sich 2 Jahre keine Käufer. Das Objekt verfiel unaufhaltsam weiter. 

Der Entschluss

Bereits 2015 besichtigten wir das Objekt mit einer Maklerin. Das Haus mit seinem besonderen Charme vergangener Zeiten hatte uns in seinen Bann gezogen. Eine Art Magie und Zauber, der bis heute anhält und uns nicht mehr loslässt. Dennoch sagten wir erst einmal ab.

2016 ein erneuter Termin. Wir beschlossen es zu wagen. Wir gingen in Gespräche mit Gutachter, Banken, Handwerkern, Fachleuten und Firmen. Und kauften das Objekt entgegen vielerlei Bedenken und Prognosen.

Es folgte ein abenteuerlicher, kräftezehrender und kostspieliger Kampf. Aus einer Renovierung wurde eine 8 Monate andauernde und schier allumfassende Kernsanierung. Es tat sich ein Brandherd nach dem anderen auf.

Wir lebten monatelang auf einer Großbaustelle. Teilweise ohne Heizung und Strom, mitten im Winter mit Fellstiefeln und drei Pullis übereinander. Unsere fantastische Familie und tolle Freunde packten mit an. Und mit vereinten Kräften retteten wir das Haus vor dem sicheren Verfall.

Seit 5 Jahren sind wir nun dabei, diesen Ort zu erhalten. Unser neues Motto seither: „Gut Ding will Weile haben.“  

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Renovierung

Wir lebten 8 Monate auf einer Großbaustelle mit immer neuen Brandherden. 

Restaurant Jägerheim

2017 wurde das Restaurant Jägerheim unter großem Interesse der Öffentlichkeit eröffnet. Vom ersten Tag an wurden wir schier überrannt von Gästen aus Nah und Fern. Bereits 1 Jahr später brachte ein TV-Sender das Jägerheim und unser liebevoll angelegtes Konzept als Teil einer Dokumentation ins Fernsehen. 

Es folgten 16 Stunden-Tage, 7 Tage die Woche, das ganze Jahr über. Unser eigentliches Konzept „Genuss und Entschleunigung“ musste dem Wettrennen gegen die Zeit und den Ansturm der Gäste weichen. 

Die zusätzliche Dauerbelastung und Suche nach gutem Personal in Küche und Service erwies sich als Kampf gegen die Windmühlen. Mein Mann verbrachte neben seinem Vollzeitberuf als IT-Fachmann in Bonn jede freie Minute samt Jahresurlaube und nahezu jedes Wochende im Jägerheim. Mein Tag hatte nie genügend Stunden für all die Arbeiten. Wir waren am Ende unserer Kräfte.

Im Januar 2019, genau 2 Jahre nach der Eröffnung, trafen wir konsequent und für Außenstehende sehr überraschend die Entscheidung: Das Restaurant wurde geschlossen. Und wir nahmen uns ein Jahr lang Zeit, um herauszufinden, wie es weitergehen sollte. Offiziell waren wir „gescheitert“ – nur, dass es sich richtig so anfühlte. 

Zurück zum Wesentlichen

Heute wissen wir sehr genau, was wir uns für diesen Ort wünschen und was nicht. Wir sind kein Ort für Massen-Tourismus und  Schnellabfertigung. 

Wir setzten auf Entschleunigung, Harmonie und (R)Auszeiten. Auf Qualität und Individualität. Wir sind von Herzen gerne Gastgeber – für die, die es schätzen können. Die abseits von anonymen Bettenburgen sich selbst und die Umgebung erkunden und (neu) entdecken wollen.

Unsere Stärke, sowie die Stärke des Hauses und der Umgebung ist es nicht, neu und trendig zu sein. Sondern sich auf das wirklich absolut Wesentliche zu besinnen, sich zu besinnen. Und manchmal- sich auch selbst wiederfinden zu können. Es ist eine Zufluchtsstätte vor dem Chaos und Stress des Alltags. Das Anwesen und Umfeld hier sind  bodenständig, kostbar, wesentlich, ehrlich und direkt. 

Wofür wir stehen:

Wenn wir dann mal Zeit und Muße finden, möchten wir gerne möglichst frische, saisonale und lokale, oder zumindest regionale Zutaten ausprobieren.

Küche-gemeinsam Essen zubereiten, miteinander kochen und am großen Tisch mit interessanten Menschen zusammen das Essen und Dasein genießen…das wünschen wir uns. Das planen wir, das suchen auch wir noch. Der Anfang ist gemacht….die Reise beginnt.

Wirkliche Auszeiten, Entschleunigung, Gesundheit, Gemeinschaft, Entspannung und Selbstfindung

 Authentizität, Entschleunigung, Selbstfindung und Sinnsuche.

Bücher, Bücher und noch mehr Bücher….hier wohnt und lebt eine totale „Leseratte“ und leidenschaftliche Bücher-Liebhaberin. Überall im ganzen Haus sind sie verstreut, eine durch und durch liebenswerte BücherWelt. 

Reduzierung von Ressourcen, Personal, Müll, Zeit, Kraft, Kosten & Energie.

Digitale Auszeiten, Natur, Literatur, entspanntes NichtsTun

 

Immer frischer Kaffee 😉

Und Kekse und Schokolade 😉

Ihre Gastgeber

Bernadette Engelhardt

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Klaus Warler

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